Die erste Woche

Seit einer guten Woche sind wir unterwegs, und ich habe das Gefühl, dass es schon eine Ewigkeit ist. Grund zur Panik? Eher nicht. Es erklärt sich durch die unendlich vielen verschiedenen Eindrücke seit unserer Ankunft hier in Ecuador, und mein kleines Hirn kommt mit dem Verarbeiten nicht ganz nach. Aber das wird schon werden.
In den ersten vier Tagen haben wir uns immerhin schon mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Quito bewegt. Von Cumbayá, wo wir bei Bernhard und Birgit wohnen dürfen, ist das immerhin eine gute Stunde, mit Umsteigen, Busterminal wechseln und vorher einem strammen Fußmarsch. Abends waren wir platt und haben wunderbar geschlafen. Erste Eindrücke: abends in der Ferne Hunde – stören nicht – , früh morgens Hähne, Kolibris rund ums Haus, vieles blüht, die Sonne steht nahezu senkrecht und ist sehr intensiv. Die Luft ist sehr trocken und mild. Perfekt für Besichtigungstouren.
Bernhard hat uns gleich am zweiten Tag in die Thermen von Papallacta gefahren, wo wir im heißen Wasser den langen Flug, die Zeitumstellung und den Sprung auf fast 3000 Meter Höhe ausgesessen haben.
Quito selbst, bzw. die Altstadt, ist eben typisch südamerikanisch: unendlich viele Kirchen, schöne Plazas, rechtwinklige Straßen, etwas chaotisch. Wir haben die Stadt auf uns wirken lassen, waren aber nicht völlig verzaubert.
Der Zauber kam dann, als wir an den Rio Napo geflogen sind. Ein kurzer Flug, und schon findet man sich mitten im feucht-tropischen Klima bei 32 Grad wieder. Es folgte eine Fahrt mit dem Schnellboot ça. 60 km stromabwärts, die fast zwei Stunden gedauert hat. Der Fluß ist teilweise mehrere hundert Meter breit, lässt eher an einen See mit Sandbänken denken, und das Boot kurvt so um die Untiefen herum. An wenigen Stellen kann man eine Siedlung erahnen, ansonsten ist drumherum nur Urwald. Nach einem flotten halbstündigen Fußmarsch auf Holzstegen sind wir dann noch mal in ein Kanu umgestiegen, und nach weiteren 25 Minuten waren wir dann in der Sacha-Lodge. Hier merkt man: der Weg ist das Ziel.
Die vier Tage im Dschungel waren ausgesprochen beeindruckend, aber auch anstrengend. Zwischendurch fühlten wir uns ein wenig wie im Dschungelcamp (aber ohne „…holt mich hier raus“). Nichts für Langschläfer. Wecken Viertel vor fünf, Abmarsch spätestens halb sechs, und dann rauf auf die Türme zum Vögelschauen und Affenbeobachten. Das alles in 30 Metern Höhe, nach Überquerung mehrerer schwankender Hängebrücken. Also Luft anhalten und rüber, aber ganz wohl war mir nicht. An unserem aktivsten Tag haben wir 12 (!) Kilometer in schweren Gummistiefeln zurückgelegt, von früh morgens bis zur Nachtwanderung, natürlich immer mit Pausen und (zu) guter Verpflegung. Die Nachspeisen werden uns in diesem Land vermutlich zum Verhängnis!
Unser Liebstes waren die Kanufahrten durch enge, gewundene Wasserläufe. Um uns herum alle möglichen Laute, die wir nicht immer zuordnen konnten. Wohl aber unsere beiden Guides, Jaime, der Ruderer und „Waldläufer“ mit der Machete, um uns den zugewachsenen Weg frei zu hacken, und Manu, die uns sprachlich umsorgt hat. Eine beeindruckende Frau, Deutsche, seit 16 Jahren in Ecuador, Mama von vier Kindern und derzeit Alleinverdienerin, da das Ölgeschäft, das die Stadt Coca einst boomen ließ, nicht mehr so viele Arbeitsplätze bietet wie noch vor einigen Jahren.
Auf jeden Fall wissen wir jetzt unter anderem, dass Brüllaffen wir startende Düsenjets klingen, wenn sie kommunizieren, Tukane manchmal vorn gelb-weiß wie die Biene Maja gestreift sind, Kaimane tagsüber im warmen Wasser dümpeln und sich nur nachts ums Essen kümmern, Piranhas lieber Aas statt Menschen fressen und mein Lieblingsvogel (den Namen habe ich leider schon wieder vergessen) nach dem Schrei einen Laut produziert, der wie ein tropfender Wasserhahn klingt, und das gern auch mal minutenlang.
Noch eine Bemerkung zum Klima: am ersten Tag habe ich noch viermal geduscht. Das hat sich später reduziert auf zweimal, denn es hat sowieso keinen Zweck. Man wird einfach nicht trocken, und die Klamotten erst recht nicht.
Nach einem kurzen Aufenthalt zurück in Cumbayá (den Dschungelmuff rauswaschen!) sind wir inzwischen im Nationalpark Cotopaxi auf mehr als 3500 Meter Höhe. Wir haben ein Zimmer mit Blick auf einen der aktivsten Vulkane der Welt und sehen im Moment…Wolken! Die Fahrt hierhin war begleitet von einem gigantischen Wolkenbruch mit dicken Hagelkörnern. Wir sind, inzwischen mit dem Mietwagen, 16 Kilometer auf einer mit Basaltsteinen gepflasterten Straße im Schritttempo gefahren, häufig durch tief hängende Wolken mit 10 Metern Sicht. Hier ist es richtig kühl, aber unser Zimmer hat eine kleine Heizung, im gemütlichen Aufenthaltsraum brennt das Kaminfeuer, es gibt leckeren Zimttee zum aufwärmen (das „Wasser“, das man uns dazu gereicht hat, stellte sich als starker Schnaps heraus), und soeben hat man uns eine Wärmflasche aufs Zimmer gebracht. Damit lässt es sich leben.

One comment on “Die erste Woche

  • Viertel vor fünf aufwachen! Das ist aber kein Urlaub!
    Wenn ihr in Kalifornien seid, werdet ihr wegen der Dürre viermal am Tag nicht duschen können 😉

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